Trollingfischen 7.1.2012

Am Morgen des 7 Januar 2012 traf ich vorm Aufstehen bei Jörg ein um gemeinsam nach Neustadt zum Trollingtreffen des Bootsangelclubs zu fahren. Die Uhr schlug 05:15 als ich freudig von Jörgs kleinem Jack Russel “Mike” begrüßt wurde.
Kurz meine Sachen in Jörgs Transit eingeladen und los ging’s, zum Bauern, das Boot holen.


Jörg musste den Abend zuvor noch die Batterie aus dem Boot bauen um sie zu laden, hoffentlich hat der Ladevorgang gereicht, sonst müssen wir im Hafen noch die aus dem Transit ausbauen :D
Nach einer regnerischen Fahrt auf der A1 erreichten wir Neustadt wo wir Hansi vom Bootsanglerclub hinterher fuhren, in der Hoffnung er  würde sich auskennen.
Das wir damit unrecht haben sollten, merkten wir erst als auch Hansi vor dem geschlossenen Tor einer Kaserne drehen musste :)
Schlussendlich trafen wir in der Marina Ancora in Neustadt ein wo bereits gut 20 Boote im Wasser lagen, wir waren also nahezu die letzten.
Nach einem Teilnehmerbriefing haben auch wir dann um kurz vor Acht geslippt und das Auto geparkt.


Auf geht’s!


In der Hafeneinfahrt von Neustadt blies uns bereits ein strammer Wind aus süd-süd-west entgegen, dieser drehte aber im Laufe des Tages noch mehrmals, blieb aber stets aus westlichen Richtungen.
Somit war den ganzen Tag für ausreichend Welle gesorgt :)
Jörg hat unterdessen die Ruten klar gemacht, ich habe den Kurs gehalten.


Als alle Ruten fertig waren, sind wir mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Pelzerhaken zu der langen bekannten Strömungskante an der  Untiefentonne Pelzerhaken gefahren.
Dort brachten wir unsere Ruten mit Oberflächenködern für Meerforellen sowie die Downriggerruten für die Dorsche aus.

Nach Kurzer Zeit biss  schon die erste Meerforelle, diese wurde aber aufgrund ihres zu geringen Maßes wieder eingesetzt, die zweite danach leider genauso.
Was soll’s, der Ausnahmefisch wird schon kommen, dachten wir uns.
Der kam auch, allerdings keine Mefo, sondern ein Dorsch von 70cm sollte am Nachmittag meine Neugierde aufs trollingfischen befriedigen…
Zum Glück sind Jörg und ich komplett Seefest, sodass auch die teils seitlich anrollenden Wellen die uns in 45% Schräglage brachten, nichts anhaben konnten.
Nach mehreren fürs trollingfischen als klein anzusehenden Dorschen zwischen 50 und 60cm kam dann endlich mein Ausnahmefisch. Ein Riesendorsch, so was hatte ich noch nie gesehen und schon gar nicht gedrillt.
Mein Gott, der hat mir fast die Arme ausgerissen, die machen das Maul auf und lassen sich ziehen und schlagen manchmal dagegen. Man muss sie gegen die Fahrt des Bootes und ihr Maul heranpumpen, das war RICHTIG ARBEIT!
Wenige Meter vor dem Außenborder riss der Fisch dann ab. Ich glaube mein Gesicht wäre Geld wert gewesen. Da wir ihn aus 20m hoch gepumpt haben, war der arme Kerl leider eh dem Tode geweiht, Fische die aus dieser Tiefe und den dort herrschenden Druckverhältnissen in der  Geschwindigkeit hoch geholt werden, überleben das eh nicht.
Was dann kam, ist nachträglich eigentlich nur noch als idiotisch zu bezeichnen.
Ich fragte Jörg ob wir den nicht gekeschert bekämen, er sagte wir sollten dann mal umdrehen und ich den Kescher klar machen der aussenbords hing. Ich änderte den Kurs und steuerte auf den an der Oberfläche schwimmenden Fisch als Jörg plötzlich RICHTIG in Action kam und hektisch die ausgebrachten Ruten dirigierte und sich laut selbst fragte was er da eigentlich machen würde, das wäre ja tödlich…
Klar, alle Leinen haben sich dann komplett verheddert und mit einem Flossenschlag war dann auch der Dorsch weg…
Wir können von Glück sagen das wir uns weit draußen wo wir waren, keine Schnur in den Propeller gezogen haben. Dann wäre Ende gewesen mit uns…
Ich wusste als blutiger Trollinganfänger nicht was uns blüht wenn wir so einen Radius fahren und Jörg hat mit der Ansage: “dann mach mal den Kescher klar!” zugestimmt den Kurs so zu ändern…
Nach einigem gefrickel an den Leinen konnten wir uns schadlos entwirren und die Fischerei etwas konsterniert fortsetzen.


Wir fingen dann noch einen schönen 70´er und einen 65´er Dorsch, das ist für mich schon etwas ganz besonderes gewesen, so große Fische hatte ich noch nie am Haken in der Ostsee. Der große 80-90cm Hecht den ich im Rückhaltebecken meines Heimatortes fing, hat nicht so nen Alarm gemacht am Haken wie die Dorsche…
Mir wars sehr unangenehm und nun weiss ich, das man SOWAS niemals tun darf beim trolling…
Einige Seemeilen später gesellten sich noch verschiedene andere Dorsche unterschiedlicher Größe zu uns, unter 50 gab’s aber keinen mehr an dem Tag als plötzlich eine Meerforelle von mir in erfreulichen 47cm gelandet werden konnte.
MEINE ERSTE MAßIGE MEFO! YEEEAH :) ))


Die Zeit ging leider sehr schnell vorbei und der Regen hörte gegen Nachmittag zum Glück auch auf, sodass wir uns auch mal wieder aus unseren schützenden Anzügen schälen konnten.

Gegen 15:30 starteten wir dann den Kurs von der Untiefentonne Pelzerhaken gen Marina Ancora während Jörg die Ruten einholte.
Nach dem Lösen der letzten Rute aus dem Downriggerclip ruckte es plötzlich MASSIV in der Rute und ich hörte Jörg rufen: “DA is einer dran!” und seine Rute bog sich ordentlich im Halbkreis :)
Ich machte sofort den Kescher klar um ihm beim landen zu helfen, das es eine weitere Meerforelle war haben wir schon schnell gemerkt aber was wir dann in den Kescher bekamen war die absolute Krönung des Tages:
Eine 61cm Meerforelle mit 2,8 Kilo ist schon ein stattlicher Fisch!

Die Freude über diesen tollen Fang war groß, wir klatschten uns 5 in die Hand und fuhren gut gelaunt in den Hafen wo uns schon viele teils noch erfolgreichere Teams empfingen die sich alle um die Wiege- und Maßstation versammelt hatten.

Nachdem auch wir Jörgs Boot aus dem Wasser geholt hatten klang der Abend bei Gesprächen und gemeinsamem Essen im Hafenrestaurant der Marina Ancora dann aus und wir schwangen uns gegen 19 Uhr auf den Weg nachhause.

Ich habe an diesem Tag viel gelernt, noch mehr Blut geleckt, 2Kilo reinstes absolut grätenfrei geschnittenes Filet gabs dazu, sowie für den nächsten Tag eine Meerforelle für die ganze Familie zum Abendessen.


Ich danke Jörg das er mich mitgenommen hat!
Es war wieder einmal ein toller Tag.

  1. Klasse Bericht mit herrlichen Bildern.
    Trotz des schlechten Wetters ein hervorragender Fang.

    Irgendwann werde ich das auch mal machen …..
    muß einem nur beigebracht werden….

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